Life careerism

Unsere Mission: Mehr Spaß bei der Arbeit!

Pim de Morree

Pim de Morree - Corporate Rebel im Interview

Mal abgesehen von schlechtem Kaffee – welche Faktoren in der modernen Arbeitswelt schlagen noch auf die Stimmung?

Arbeitsfreude kann von vielen Dingen beeinträchtigt werden. Manche Menschen sind demotiviert durch einen Mangel an Vertrauen, durch fehlende Ziele oder zu wenig Freiheit. Andere leiden unter intransparenten Verhältnissen oder ausbleibenden unternehmerischen Initiativen. Um das, was eigentlich jedem klar ist, hier mal deutlich auszusprechen: Wie wir arbeiten, ist krank. Eine riesige Anzahl von Angestellten ist im Job nicht engagiert: Sie verbringen viel zu viel Zeit mit Dingen, die ihnen schlichtweg keinen Spass machen!

Und welche Erfahrung hat Sie in ein „Corporate Rebel“ verwandelt?

Die ideale Kombination aus Frust und Abenteuerlust! Nach zwei Jahren im Unternehmen war ich einfach davon enttäuscht, wie die Dinge liefen. Ich konnte mich selbst dabei beobachten, wie ich mich darüber beschwerte, dass ich auf die Arbeit keine Lust mehr habe und an keinen spannenden Projekten beteiligt bin. Dazu kam meine Sehnsucht nach Abenteuer und „Entrepreneurship“. Ich wollte schon immer unterwegs sein. Und ich interessierte mich sehr für Organisationen, die radikale Ideen umsetzen und dadurch tolle Arbeitsplätze schaffen.

Diese ganz unterschiedlichen Gefühle haben sich gegenseitig verstärkt. Das Ergebnis waren die „Corporate Rebels“: ein gewagtes Unternehmen mit dem Ziel, dass Firmen sich ändern und Arbeit mehr Freude machen sollte. Schon kurz nach der ursprünglichen Idee kündigten wir unsere Jobs. Praktisch ohne finanzielle Mittel begannen wir, in der Welt herumzureisen und die erstaunlichsten Pioniere der Arbeitswelt zu besuchen. Alles, was wir dabei lernten, teilten wir in unserem Blog. Dies war vor zwei Jahren. Heute sind wir eine weltweite Bewegung von Corporate-Rebels-Kollegen, die eine echte Arbeitsplatz-Revolution starten.

Können Sie uns ein Beispiel geben für besonders motivierende Bedingungen?

Zum Glück haben verschiedene Unternehmen, Wissenschaftler und Pioniere auf der ganzen Welt schon Lösungen gegen langweilige Arbeitsplätze gefunden. 60 dieser Wegbereiter haben wir bereits besucht und nachgeforscht, was sie von traditionellen Firmen unterscheidet.

Wir nennen es die „8 Trends höchst fortschrittlicher Arbeitsstätten“. In der Kurzfassung handelt es sich um Organisationen, die sich stark auf Ziele und Werte fokussieren. Die sich als Netzwerk aus Teams aufstellen und eine unterstützende Führungskultur etablieren. Die viele Möglichkeiten zum Experiment bieten und ein hohes Mass an Freiheit und Vertrauen. Die sich auf das Talent und das Können ihrer Mitarbeitenden konzentrieren und die Entscheidungsfindung dezentral organisieren.

Aber Vorsicht – das ist keine Formel, die für alle passt. Was bei einer Firma funktioniert, klappt bei der nächsten nicht unbedingt genauso.

Corporate Rebels

Warum ist es für Firmen so wichtig, dass ihre Angestellten Spass haben?

Fangen wir an mit dem offensichtlichsten, aber auch am seltensten genannten Grund: Weil es Laune macht! Abgesehen von Schlafen verbringt man den grössten Teil seines Lebens mit Arbeiten – warum also nicht ein bisschen etwas dafür tun, um diese Zeit erfreulich, anspruchsvoll und inspirierend zu gestalten? Wenn wir sagen, dass Arbeit mehr Spass machen sollte, einfach um mehr Spass zu machen, kommt das oft nicht besonders gut an. Aber selbst wenn man keinerlei Interesse an vergnüglichem Arbeiten hat, ist es wichtig, sich um angenehme Arbeitsbedingungen zu kümmern! Warum? Weil es einen starken Zusammenhang zwischen dem Geschäftserfolg und dem Mitarbeiterengagement gibt! Erfreuliche Arbeitsplätze sind unter anderem profitabler, erfolgreicher und innovativer. Ausserdem, was spricht eigentlich gegen Jobs, die die Leute mögen?

Ein Blick in die Zukunft: Wie werden wir im Jahr 2030 arbeiten?

Ein Zitat, das ich besonders mag und neulich auf einer Konferenz gehört habe, lautet: „Am einfachsten macht man sich zum Idioten, wenn man versucht, die Zukunft vorauszusagen.“ Dem kann ich nur zustimmen. Jeder möchte die Zukunft der Arbeit vorausahnen; mir erscheint es jedoch wichtiger, die heutigen desolaten Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Hätte ich einen Wunsch frei, wären es mehr angenehmere Arbeitsplätze, die den Menschen an erste Stelle setzen. An denen Mitarbeitende die Möglichkeit haben, sich zur besten Person zu entwickeln, die sie sein können. Und an denen sie mit aller positiven Energie unterstützt werden, ihre Ziele zu verwirklichen und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wir arbeiten hart, damit dieser Wunsch Wirklichkeit wird.

TEXT: Ute Liebig
FOTO: ZVG